Soziale Bedürfnisse
Verbale und nonverbale
Sterbende bedienen sich (wie alle Menschen) verschiedener Formen der Kommunikation: Sie drücken sich mit Worten (also verbal) und in Gesten (also nonverbal) aus. Manchmal vermitteln uns Sterbende Signale, die nur schwer zu deuten sind und die von uns viel Sensibilität erfordern. Signale sind Ausdrucksformen, derer sich ein Sterbender bedient, um auf etwas aufmerksam zu machen. Wenn er merkt, dass Sie imstande sind, seine Signale aufzufangen, dann wird er sich auch weiter mit Ihnen verständigen. Signale werden als häufigste Ausdrucksform für eine Andeutung benutzt: z. B. "Ich glaube, ich habe es geschafft!" oder "Was wollen Sie damit sagen?" Solche Sätze sind manchmal Versuchsballons, die Ihre Sensibilität testen wollen, aber sie können auch blanke Hilfeschreie sein, häufig bei Menschen, denen es sehr schwer fällt über ihre Situation zu sprechen.
Körperkontakt
Einem Sterbenden die Hand zu halten zeigt ihm, dass der Begleiter sich auf seine Ebene begibt, spendet Solidarität und schenkt Nähe. Der Blickkontakt ist ein Ausdruck dafür, dass Sie dem vielleicht fragenden Blick des Schwerstkranken und Sterbenden nicht ausweichen und auch bereit sind, unter vier Augen mit ihm zu sprechen. Beides ist vor allem auch bei bewusstseinsgestörten und bewusstlosen Schwerstkranken und Sterbenden von hoher Bedeutung und manchmal nur noch die einzige Möglichkeit der Kommunikation. Das Schweigen ist eine der intensivsten Formen zwischenmenschlicher Kommunikation, wenn auch schwer auszuhalten. Dies kann man aber durch Üben verbessern. Das Zuhören meint: Hinhören, Anhören und Zuhören. Es bedeutet für den Schwerstkranken und Sterbenden, dass Sie aufmerksam Anteil nehmen an seiner Situation. Sie zeigen, dass Sie erfahren wollen, was er Ihnen zu sagen hat, dass Sie Interesse haben und ihm helfen wollen.
Wahrhaftigkeit und Information
Der Schwerstkranke und Sterbende will sich auf seinen Tod vorbereiten können. Wie soll er das, wenn alle Menschen in seiner Umgebung (oft aus Hilflosigkeit) ihm gegenüber nicht zugeben, dass er sterbend ist? Es fällt niemandem leicht, dem Betroffenen die Wahrheit zu sagen, und dem Sterbenden fällt es auch nicht leicht, diese zu akzeptieren. Wir sollten jedem Sterbenden aber die Freiheit zugestehen, selbst zu entscheiden, wie tief er sich auf sein Kranksein und Sterben einlassen will. Diesen Entschluss müssen wir respektieren. Die Mitteilung einer Diagnose ist Aufgabe und Verpflichtung des Arztes. Er solle diese mit Einfühlungsvermögen und möglichst stufenweise mitteilen. Keiner sollte den Schwerstkranken und Sterbenden brutal mit der Realität konfrontieren, denn: ihm seine Hoffnung zu nehmen, heißt: den Tod verkünden. Auch ist es wichtig, dass Pflegepersonal, Ärzte, Seelsorger und Angehörige "eine Sprache" sprechen. Aber: Wahrheit ist mehr als nur die richtige Mitteilung einer Diagnose. Sie ist eine existentielle Frage, das heißt niemand sollte ungefragt jemanden mit seiner schlechten Prognose konfrontieren. Lügen ist aber auch keine Lösung. Wir können allenfalls zu ihm sagen: "Das weiß ich nicht!" (Und das stimmt ja auch, denn niemand kann mit 100 %iger Sicherheit den Verlauf einer schweren Krankheit voraussagen). Eine Möglichkeit besteht darin, das Gespräch von der rein medizinischen Diagnose zu den Befindlichkeiten des Schwerstkranken und Sterbenden hin zu lenken, z. B. durch eine Rückfrage wie: Was meinen Sie denn?
Seele und Religion
Geborgenheit: Die Nähe und Wärme vertrauter Personen, Angehöriger und Freunde sollte so oft wie gewünscht ermöglicht werden, unabhängig von Besuchszeiten eines Krankenhauses. Zur seelischen Wärme gehört auch er Körperkontakt, z. B. bei der Körperpflege: Waschen ist nicht nur aus hygienischen Gründen notwendig, sonden tut einfach auch gut. (Denken Sie nur mal an einen heißen Sommertag, an dem Sie völlig verschwitzt sind, und dann eine wohltuende Dusche nehmen können).
Ruhe
Schwerstkranke und Sterbende brauchen Ruhe soviel sie wollen, was aber nicht den Eindruck hinterlassen darf, sie seien "abgeschoben". Am besten weiß der Sterbende selbst, wie viel und wie wenig ihm gut tut.
Vertraute Umgebung
Eine vertraute Umgebung ist für den Sterbenden sehr wichtig und hilfreich für die Orientierung. Nicht umsonst wünschen sich rund 90 % aller befragten Menschen als Sterbeort die vertraute häusliche Umgebung. Im Krankenhaus soll darum das Aufstellen von Bildern oder Erinnerungen auf dem Nachttisch gefördert werden, auch wenn diese Gegenstände störend bei der Reinigung des Zimmers sind. Auch selbstgemalte Bilder von Verwandten könnten kurzfristig an der Wand befestigt werden.
Hoffnungen
Alle Schwerstkränken und Sterbenden haben das Bedürfnis nach Hoffnung und Zukunft, selbst wenn keine Aussicht auf Genesung ist. Die Hoffnungen richten sich auf ein Weiterleben in irgendeiner Form, auf ein "In-Erinnerung-bleiben" bei den Angehörigen und Freunden, auf Sinnfindung im Leid. Dies wird erleichtert, wenn wir den Sterbenden Vergewisserung ermöglichen, wenn er klagen darf, wenn er Trost erhält und Gemeinschaft erfahren darf.





