Empfindungen
Empfindungen Sterbender
Sterbende wissen, dass sie sterben und haben häufig das Bedürfnis darüber zu sprechen. Die Empfindungen Schwerkranker und Sterbender entsprechen meist der wirklichen Realität. Patienten "wissen" bzw. spüren oft sehr genau, wie es um sie steht, auch wenn sie vom Arzt noch nicht vollständig über ihren Gesundheitszustand aufgeklärt wurden. Nicht jeder Sterbende möchte darüber dann reden. Es gibt Menschen, die das ganz allein mit sich selbst ausmachen wollen. Dies ist dann natürlich zu respektieren. Viele Sterbende aber empfinden es als eine große Erleichterung und Hilfe, wenn ein anderer Mensch ihnen zuhört und versucht sie zu verstehen. Gelingt es einem Mitmenschen, die Gefühle eines Sterbenden, wie z. B. Unsicherheit, Angst, Verlassenheit oder auch Auflehnung, wahrzunehmen und ist er bereit zuzuhören, dann leistet er dem Sterbenden einen unschätzbar wertvollen Dienst.
Der Sterbende ist unmittelbar betroffen von der Endgültigkeit des Todes und weiß, wovon er spricht. Ein Sterbender kann niemanden finden, der stellvertretend für ihn sterben würde und ihm diesen letzten Schritt abnehmen könnte. Das bedeutet, dass der Patient unmittelbar selbst von der Endgültigkeit seines Sterbens betroffen ist und weiß oder spürt, dass es keinen Ausweg gibt. Trotzdem haben manche noch Hoffnung auf Genesung bis zum Schluss. Vermutlich könnten sie sonst diese Situation überhaupt nicht ertragen. Der Sterbende macht sich häufig Sorgen um die Hinterbliebenen. Viele Schwerstkranke und Sterbende machen sich mehr Sorgen um ihre Angehörigen, als um sich selbst (vor allem jüngere Patienten). Manchmal besteht auch der Wunsch, noch etwas Unerledigtes nachzuholen oder zu vollenden. Der Sterbeprozess bei älteren Menschen ist oft von äußeren Gegebenheiten beeinflusst. So will z. B. die Oma gerne noch die Geburt ihres Enkels oder Urenkels abwarten, bevor sie innerlich bereit ist, endgültig Abschied zu nehmen.
Ängste Sterbender
Angst vor Schmerzen und Qualen
Alle Menschen haben Angst vor unerträglichen Schmerzen und Qualen, meist sogar mehr als vor dem eigentlichen Tod. Sie möchten in der Gewissheit sterben, schmerzfrei auf den Tod zugehen zu können.
Angst vor Verlust der Selbstkontrolle
Viele Patienten fürchten den Verlust der Selbstkontrolle. Oder sie fürchten, dass sich Angehörige und Freunde plötzlich von ihnen abgestoßen fühlen (z. B. bei einem Gesichtstumor). Eigentlich sind alle Patienten sehr empfindsam und reagieren manchmal gereizt, wenn sie mitbekommen, dass über sie gesprochen wurde, statt mit ihnen.
Angst vor Kommunikationsunfähigkeit
Noch schlimmer ist die Vorstellung, dass man sich gar nicht mehr verständlich machen kann. Wenn Menschen sich im Krankenzimmer so unterhalten, als wäre der Patient schon nicht mehr da, ist dies eine furchtbare Situation für den Kranken. Man sollte immer davon ausgehen, dass der Schwerstkranke und Sterbende noch (etwas) hören und verstehen kann und sich dementsprechend verhalten.
Angst vor Entmündigung
"Wer ins Krankenhaus kommt, gibt seine Persönlichkeit an der Aufnahme ab." Nun, vielleicht ist es nicht immer ganz so schlimm, aber die Angst davor steckt in jedem Patienten. Vor allem die Angst: Was wird mit mir gemacht, wenn ich wehrlos bin, also in Narkose, Bewusstlosigkeit oder gar im Koma? Zu jeder Therapie oder Operation ist die Zustimmung des Patienten erforderlich. Aber was passiert, wenn dieser sich nicht mehr verständlich machen kann? Für diese Fälle wurden spezielle Patiententestamente oder Patientenverfügungen entwickelt, die jeder (solange er noch voll "geschäftsfähig" ist) als Vorsorgemaßnahme ausfüllen kann. Sie bieten im Notfall den Ärzten einen wichtigen Anhaltspunkt für den "mutmaßlichen Willen" des Patienten.
Angst vor Isolation
Weitverbreitet ist auch die Angst vor Isolierung und Abgeschoben sein. Zum Glück gibt es heutzutage wohl keine Krankenhäuser mehr, in denen Sterbende in das Bad abgeschoben werden. Aber diese Vorstellung, dass es so sein könnte, schwirrt noch in vielen Köpfen, vor allem älterer Menschen herum. All diese Empfindungen sind völlig üblich und normal. Sie müssen, sofern sie von den Mitmenschen überhaupt erkannt werden, ernst genommen und berücksichtigt werden.




