07.01.2012 WR
Im Mai eröffnet Hospiz-Einrichtung in Westrich - Petra Strößner möchte jedem Sterbenden einen letzten Wunsch erfüllen
Tod als ständiger Begleiter
Trauerbegleiterin Petra Strößner will jedem Sterbenden einen letzten Wunsch erfüllen.
Westrich. Seit gut zehn Jahren beschäftigt sie sich mit einem Thema, das die Gesellschaft nicht gern diskutiert. Petra Strößner ist Sterbe- und Trauerbegleiterin. Mit Hingabe. Und aus Überzeugung, wie sie sagt. Anfang Mai ist ihr neuer Arbeitsplatz in Westrich. An der Bockenfelder Straße eröffnet ein Hospiz
Die Vorbereitungen dazu laufen auf Hochtouren. 12 Plätze bietet das 1,9 Millionen Euro teure Gebäude. Dort werden Schwerstkranke und Sterbende liebevoll versorgt. Um den vielfältigen Aufgaben und Wünschen auch gerecht zu werden, benötigt Petra Strößner rund 60 ehrenamtliche Kräfte für „die hochsensible Tätigkeit“. Neun Mitarbeiter sind bereits geschult und somit einsatzbereit. Die 53-Jährige bildet die Damen und Herren aus und prüft, wer sich wo eignet. Die Aufgabenbereiche in einem Hospiz sind vielschichtig. Hauswirtschaft, Empfang, Gartenarbeit, Hausmusik, Wäscherei, Küche: „Da findet sich garantiert für jeden Interessenten etwas“, weiß die Expertin aus Erfahrung. Zu Petra Strößners Aufgabe gehört indes nicht nur die Koordination bzw. die Einsatzplanung der Mitarbeiter. Das Fördervereinsmitglied der St. Elisabeth-Stiftung kümmert sich auch darum, dass Geld in die Kasse fließt. „Jede Hospiz-Einrichtung in Deutschland“, sagt sie, „muss zehn Prozent allein erwirtschaften. Das heißt: zehn Prozent sind nicht gedeckt. Die Mittel müssen wir reinholen. Das geht über Sponsoren. Und über aktive Mitglieder.“ Kein Weg ist ihr dabei zu weit, kein Gespräch zu schwierig. Wenn nur das Geld kommt. Schließlich will Petra Strößner jedem Sterbenden einen letzten Wunsch erfüllen. Egal, ob es sich dabei um ein Pink Floyd-Konzert oder um eine Erdbeere im Winter handelt. Manche wollen sogar noch einmal ihre erste große Liebe wiedersehen. Oder im Dunkeln nach Holland ans Meer fahren. Derlei Begehren seien mit viel Zeit, Kraft, Planung und – natürlich – Geld verbunden. „Das“, weiß Petra Strößner, „zahlt die Krankenkasse nicht.“ Zu guter Letzt bietet Petra Strößner auch Trauerbegleitung für Angehörige an.
Die 53-Jährige freut sich auf ihre neue Arbeit in Westrich. Dort will sie mehrere Projekte anstoßen. Weil die Wahrnehmung der Sinne (schmecken, riechen, fühlen) beim sterbenden Menschen bis zum Schluss funktioniere, denkt Petra Strößner beispielsweise über einen Sinnesgarten nach. Denn ihr ist wichtig, dass „der Sterbende am Ende seinen eigenen Seelenfrieden findet. Dazu möchte ich unbedingt meinen Beitrag leisten.“
Der Tod als ständiger Begleiter im Berufsalltag. Wie kommt man damit klar? „Ich kann abschalten, nehme die Kraft aus meinem persönlichen Glauben, kann herrlich bei klassischer Musik entspannen und habe seit zwei Jahren meine Klingel abgestellt. So schütze ich mich.“
Norbert Jacobs

